Wie ist Nudging?

Nudging ist eine Methode aus der Sozialpsychologie, die Personen dabei unterstützen soll, Entscheidungen in unterschiedlichen Lebensbereichen zu treffen. Doch was unterscheidet Nudging von Manipulation? Auf den ersten Blick klingen die beiden Begriffsdefinitionen fast identisch. Es wird etwas unternommen, um jemand anderem in seinem Handeln zu beeinflussen. Abgesehen von der moralischen Sichtweise ist eine Unterscheidung kompliziert, denn Nudging kann, muss aber nicht die Kriterien für Manipulation erfüllen. Das eigentliche Ziel von Nudging ist die Menschen dabei zu unterstützen, die Entscheidung zu treffen, die sie selbst als richtig empfinden. Bei Manipulation werden die Moralvorstellungen und persönlichen Ziele auf die manipulierten Menschen übertragen. Dies ist also ein zentraler Unterschied zwischen Nudging und Manipulation.

Nudges können in unterschiedlichen Lebensbereichen eingesetzt werden – und sind auch bei Arbeitgebern eine beliebte Methode. So wurde bspw. im Gesundheitsmanagement beobachtet, dass Personen, die aktiv aufgefordert werden, sich einen Termin zu notieren, diesen auch mit höherer Wahrscheinlichkeit wahrnehmen als Personen, die keine Aufforderung erhielten.

Dr. Mike O’Neill beschäftigte sich mit Nudging in Bezug auf Stressreduktion durch das Raumdesign. Durch die Einrichtung und das Design kann nicht nur der Stress reduziert werden, sondern auch die generelle Gesundheit verbessert werden. Zwei Arten von Nudges werden unterschieden: Die Enviromental Control Nudges gehen auf die Einrichtung und Raumgestaltung ein und sind wiederum in Organisation, Gruppe und Individuum aufgeteilt. Durch die Einrichtung soll ein optimales Arbeitsumfeld geschaffen werden, was die Gesundheit auf verschieden Weisen unterstützen kann. Doch nicht nur die körperliche Gesundheit soll durch Nudges, wie zum Beispiel das Angebot von Fahrradständer und Duschen begünstigt werden, sondern auch das soziale Wohlergehen soll durch flexible und justierbare Arbeitsbereiche und Schließfächer in gemeinsamen Bereichen, vorangetrieben werden. Legible Design Nudges beziehen sich auf alle Arten von Designs, die nicht auf Möbel zurückführen sind. Hierbei wird auch der Grundriss des Büros beachtet. Es ist wichtig einen übersichtlichen Grundriss vorzulegen, da zu viel Kreuzungen und Nebengänge zur Verwirrung führen und mehr Stress auf den Körper ausüben können. Legible Design Nudges sollen hauptsächlich zur Orientierung beitragen. Dabei gehen sie auf sechs Punkte ein: Layout, Orientierungspunkte und dessen Sichtbarkeit, Zonen, Schilder und die beabsichtigte Nutzung von Räumen. Beispielsweise können Treppen, im Gegensatz zu Fahrstühlen, in offensichtlichen Bereichen platziert werden und somit zu häufiger Nutzung der Treppen beitragen. Dabei müssen weiterhin die Richtlinien für Fahrstühle beachtet werden. Doch auch eine Farbe kann einen Raum als einen Gruppenarbeitsraum oder als Lounge bezeichnen und zur besseren Orientierung beisteuern. Dadurch soll ein genereller Stressfaktor von den Mitarbeitenden genommen werden und zu einem besseren Workflow beitragen.

Es ist jedoch auch möglich, dass eigene Stresslevel durch Self-Nudging zu verringern. Durch einfache und kleine Veränderungen der eignen Umwelt kann man selbst zu einem gesünderen Lifestyle beitragen. Dabei lassen sich die Self-Nudges in vier Kategorien unterteilen. Erinnerungen & Hinweise, Framing, Zugänglichkeit und Druck & Selbstverpflichtung. Erinnerungen und Hinweise können relativ einfach umgesetzt werden. Durch das Foto eines gesunden Lebensmittels am Kühlschrank oder die Sportklamotten vor dem Bett kann das eigene Verhalten beeinflusst werden. Ob man Sport oder keinen Sport macht, kann auch als eine Entscheidung für oder gegen die eigene Gesundheit gesehen werden. Diese Methode wird Framing genannt. Des Weiteren kann natürlich auch die Zugänglichkeit für Objekte, wie zum Beispiel das Handy, erschwert werden. Dafür reicht oft schon die Deaktivierung der Mitteilungen. Aber auch das Physische „wegsperren“ von diesen Objekten kann zur Stressreduktion beitragen. Die letzte Kategorie Druck und Selbstverpflichtung, scheint nicht besonders hilfreich zur Stressreduktion, da man sich selbst unter Druck setzt Deadlines o. ä. einzuhalten und sich bei nicht einhalten bestraft

Es ist also möglich Mitarbeitende durch Nudges zu einem gesünderen Lifestyle zu bringen. Moralisch ist dies nochmal neu zu bewerten. Auf jeden Fall kann das Design und die Einrichtung des Büros einen positiven Einfluss auf Stressreduktion haben und somit auch auf das Arbeitsverhältnis. Doch auch durch kleine Veränderungen im eigenen Umwelt kann man zur Verbesserung der eigenen Gesundheit beitragen.

Ein Beitrag von Clara Bäuml.

Weiterführende Literatur

Nys, T. R. & Engelen, B. (2016). Judging Nudging: Answering the Manipulation Objection. Political Studies, 65(1), 199–214.

O’Neill, M. (2018). The Workspace Nudge for Well-Being. Haworth. https://media.haworth.com/asset/107587/Workspace_Nudge_White_Paper_C6.pdf.

Srivastava, P. (2012). Getting Engaged: Giving Employees a Nudge Toward Better Health. Compensation & Benefits Review, 44(2), 105–109.