Grundlagen

Wissenschaftliche Grundlagen des "Einfach weniger Stress"-Konzeptes

Das "Einfach weniger Stress"-Konzept basiert auf fundierten Ansätzen des Stressmanagements und kombiniert sie mit aktuellen wissenschaftlichen Befunden. Es berücksichtigt dabei insbesondere die Anforderungen und Herausforderungen moderner Arbeitswelten.
Das "Einfach weniger Stress"-Konzept ist von der Zentralen Prüfstelle Prävention der gesetzlichen Krankenkassen geprüft und zertifiziert.

Was ist Stress und wie entsteht er?

Der Begriff "Stress" wurde bereits vor langer Zeit durch den Mediziner Hans Selye geprägt. Selye verstand Stress als eine unspezifische Reaktion des menschlichen Organismus auf Anforderungen. Stress ist also ein Wechselspiel zwischen dem Menschen und Anforderungen, denen er ausgesetzt ist. Stress zeigt sich dabei in sehr unterschiedlichen Reaktionen. Mal zittern die Hände, mal schwitzen wir, mal rast das Herz. Wir grübeln mehr also sonst oder reagieren gereizt. Wir haben weniger oder sogar mehr Appetitt. Diese Stressreaktionen können von Mensch zu Mensch und von Situation zu Situation ganz unterschiedlich ausfallen.

Auch nicht jede Situation führt immer zu Stress. Zwar gibt es Situationen, die oft und bei vielen Menschen zu Stress führen, so genannte Stressoren. Doch, ob wir mit Stress auf diese Situation reagieren hängt auch von unserer Wahrnehmung und Bewertung ab. Wann ein Stressor eine Stressreaktion nach sich zieht, erklärt das transaktionale Stressmodell von Richard Lazarus. Ob Stress entsteht ist von zwei Bewertungen abhängig.

Bei der ersten (unbewussten) Bewertung stellt sich die Frage, ob die Situation mit einer Herausforderung, einer Bedrohung oder einem Verlust verknüpft ist? Viele Situationen erleben wir als positiv oder irrelevant. Eine Situation, die wir jedoch als Herausforderung oder Bedrohung wahrnehmen oder in der wir bereits einen Verlust erleben, ist potenziell stressauslösend. Dies geschieht in der Regel automatisch und unbewusst, ohne dass wir darüber nachdenken müssen.

Wenn eine solche Situation als bedrohlich bewertet wird, kommt es jedoch zu einer zweiten (bewussten) Bewertung. In dieser stellen wir uns die Frage, ob ausreichend Ressourcen zur Verfügung stehen, um die Herausforderungen und Bedrohungen bewältigen zu können. Habe ich ausreichend Zeit, die Aufgaben zu erledigen? Kann ich Unterstützung mobilisieren? Kommen wir hier zu dem Schluss, dass Ressourcen fehlen, dann folgt die Stressreaktion und damit das Stresserleben.

Aus dem transaktionalen Stressmodell lassen sich mindestens zwei Handlungsempfehlungen für die Stressprävention und -bewältigung ableiten. Zum einen können wir durch Planung und vorausschauendes Handeln Situationen so gestalten, dass sie weniger herausfordernd und bedrohlich sind (z.B. frühzeitiges Erledigen von Aufgaben). Darüber hinaus kann an der Bewertung gearbeitet werden. Gelingt es uns, das Positive zu erkennen und schnell einen Blick zu haben, wie wir Herausforderungen meistern können, bleiben wir gelassener.

Stressmanagement: Das Wechselspiel zwischen
Anforderungen und Ressourcen

In jeder (Arbeits-)Situation gibt es Anforderungen (job demands), die potenzielle Stressoren darstellen und Ressourcen, die zur Bewältigung der Anforderungen eingesetzt werden können. Ein speziell auf das Arbeitsleben zugeschnittenes Modell – das Job Demands-Resources-Modell von Evangelia Demerouti und Kollegen betont die Bedeutung das Zusammenspiel aus Anforderungen und Ressourcen für die Entstehung von Stress. Sowohl unerwünschte und kritische Zustände wie Burnout aber auch erwünschte Zustände wie eine erhöhte Arbeitsmotivation lassen sich aus dem Zusammenspiel von Anforderungen und Ressourcen erklären.

Je mehr Anforderungen Menschen ausgesetzt sind, desto eher kommt es zum Burnout. Diese unerwünschten Effekte von Anforderungen auf die Gesundheit werden durch Ressourcen, die Personen im Arbeits- oder Privatleben haben (z.B. soziale Unterstützung, ausreichend Entscheidungsspielraum) abgepuffert. Ressourcen führen zudem dazu, dass eine hohe Arbeitsmotivation entsteht. Liegen zu wenig Anforderungen vor, besteht hingegen die Gefahr eines Bore-outs. Menschen langweilen sich dann auf der Arbeit und wissen nicht, wie sie ihre Zeit füllen sollen. Folglich sollten Anforderungen und Ressourcen sich die Waage halten.

Weiterführende Literatur

Bakker, A. B. & Demerouti, E. (2014). Job Demands - Resource Theory.  P. Y. Chen and C. L. Cooper. (Eds.) Work and Wellbeing: Wellbeing: A Complete Reference Guide. Volume III (pp. 37-64). Oxford: John Wiley & Sons.

Demerouti, E., Bakker, A. B., Nachreiner, F., & Schaufeli, W. B. (2001). The job demands-resources model of burnout. Journal of Applied psychology, 86(3), 499-512.

Crawford, E. R., Lepine, J. A., & Rich, B. L. (2010). Linking job demands and resources to employee engagement and burnout: a theoretical extension and meta-analytic test. The Journal of applied psychology, 95(5), 834-848.

Lazarus, R. S. (1991). Cognition and motivation in emotion. American psychologist, 46(4), 352-367.

Lazarus, R. S., & Folkman, S. (1987). Transactional theory and research on emotions and coping. European Journal of Personality, 1(3), 141-169.